Beispiele für Mediationsanlässe
Paar in der Trennungsphase:
Das Ehepaar A. hat zwei Kinder, 4 und 7 Jahre alt. Im Verlauf der vergangenen Monate haben sich die Partner gegenseitig tiefe Verletzungen zugefügt. Ihr Umgang miteinander ist daher emotional stark belastet. Beide sehen ihr Heil in einem Scheidungsverfahren, das ihnen zu ihrem jeweiligen Recht verhelfen soll. Ein klarer Bruch erscheint ihnen jedoch unmöglich. Die Kinder sollen nicht mehr als unumgänglich unter der Trennung ihrer Eltern leiden. Frau und Herr A. sind darauf angewiesen, auch in Zukunft zusammenzuarbeiten, um ihren Kindern möglichst reibungslos Kontakt zu beiden Elternteilen zu ermöglichen. In der Mediation suchen sie nach einer einvernehmlichen Regelung für den Umgang mit den Kindern.
Arbeitskollegen:
Frau B. ist erst seit ein paar Monaten in der Firma und wurde ungefragt zu Frau C. und Herrn D. ins Büro gesetzt, die dort schon seit Jahren zusammenarbeiten und sich gut miteinander arrangiert haben. Vor allem Frau C. fühlt sich von der ganz anderen Arbeitsweise der neuen Kollegin von Anfang an gestört. Sticheleien und kleine Reibereien münden letztlich in einen offenen Streit, der auf Teile der Abteilung übergreift, da sich die Kontrahentinnen Verbündete suchen. Die Arbeitsabläufe innerhalb der Abteilung sind empfindlich gestört. Verschiedene Interventionen der Leitung führen nicht zu einer Verbesserung der Lage. Da es aus verschiedenen Gründen nicht möglich zu sein scheint, die beiden Damen räumlich und hinsichtlich ihrer Aufgabengebiete zu trennen, beauftragt das Firmenmanagement schließlich ein Mediationsteam, die Abteilung bei der Lösungsfindung zu unterstützen.
Nachbarn:
In die Erdgeschosswohnung eines mehrheitlich von Familien bewohnten Hauses zieht Herr E. Er ist häufig mit zwei großen, lebhaften Hunden unterwegs und trifft dabei im Treppenhaus auf Kinder mit und ohne Eltern. Ein dritter Hund, klein und alt, bleibt meist in der Wohnung, wo er gern und viel bellt sowie nachts, wenn sein Herrchen ausgeht, lange kläglich heult. Herr E. nutzt, wenn er keine Lust auf einen Spaziergang hat, zum Gassigehen auch den grünen Innenhof, der bisher als Kinderspielplatz fungierte. Ein Großteil seiner Mitbewohner fühlt sich von Herrn E. und seinen Hunden gestört. Die Kinder (oder die Eltern) fürchten sich vor den großen Hunden, einige können nachts wegen des heulenden Kleinhundes nicht schlafen, und seit ein Krabbelkind im Hof nur knapp davon abgehalten konnte, sich einen Hundehaufen einzuverleiben, ist das Naherholungsgebiet für die meisten Familien im Haus gestorben. Keiner traut sich aber so recht, Herrn E. zur Rede zu stellen. Gemeinsam wird beschlossen, die Hausverwaltung auf das Problem anzusetzen. Diese setzt nach mehreren Gesprächsversuchen eine Mediation ein.
Geschäftspartner:
Frau F. hat sich vor 6 Jahren mit einem kleinen Laden selbstständig gemacht. Sie verkauft Kleidung und Schmuck. Einen Großteil des Schmucks stellt die sehr begabte Frau G. her. Ihre Werke verkaufen sich gut. Es gibt Kunden, die den Laden allein deswegen besuchen, dann aber auch die Kleider durchstöbern und nicht selten kaufen. Frau G.'s Schmuck ist zu einem unverzichtbaren Zugpferd geworden. Leider geschieht es oft, dass Frau F. dringend Nachschub benötigt, Frau G. aber sehr lange nicht liefert und immer wieder neue Ausreden findet. Frau F. ärgert sich und droht damit, in Zukunft die Kommissionszahlungen für verkauften Schmuck einzustellen, bis der Nachschub eingetroffen ist. Frau G. ist auf das Geld angewiesen. Sie fühlt sich unter Druck gesetzt und befürchtet, unter diesen Umständen minderwertigen Schmuck anzufertigen. Das ließe sich mit ihren Prinzipien nicht vereinbaren. Eigentlich mögen sich beide, verharren aber auf ihren Positionen und können sich keine Lösung für das Dilemma vorstellen. Sie beschließen, sich Unterstützung von außen zu holen und erkundigen sich nach Mediationsangeboten.
Vereine:
Der Kleingartenverein H. macht gerade einen Generationswechsel durch. Die neuen Mitglieder sind zwar oft schon seit ihrer Kindheit über die Eltern mit dem Verein verbunden, möchten das Gelände aber anders nutzen als früher. Ihre Parzellen sehen in den Augen der Altgedienten wild und ungepflegt aus: Hecken wuchern über Zäune, ein Lehrerpaar hat seinen Garten mit Holz- und Laubhaufen zu einem Igelparadies umgestaltet und führt regelmäßig Grundschulklassen hindurch, die dann durch das Vereinsgelände toben, manchmal liegt Müll auf den Wegen. Der Konflikt belastet das Vereinsleben, bereits sind einige Mitglieder abgewandert. Der Vereinsvorstand möchte eine weitere Vergiftung der Atmosphäre nicht untätig abwarten. Er erkundigt sich, vorerst unverbindlich, nach den Möglichkeiten einer Mediation.
Teams:
Das Kindertagesheim Flotte Lotte, in freier Trägerschaft, führt nur drei Elementargruppen. Insgesamt arbeiten neben der Leitung, einer Sozialpädagogin, fünf Erzieherinnen, eine Kinderpflegerin, eine 1-Euro-Kraft, ein Zivi und zwei Praktikantinnen für die Einrichtung. Das Team arbeitet auf relativ engem Raum, die KollegInnen vertreten sich oft gegenseitig. Seit einiger Zeit beobachtet die Leiterin Konflikte im Team. Sie hat schon einzelne Mitarbeiterinnen darauf angesprochen und eine Extra-Teamsitzung für das Problem einberufen. Mehr als Lippenbekenntnisse kamen dabei jedoch nicht heraus. Die Streitereien eskalieren, bereits ist das Wort „Mobbing“ gefallen. Eltern werden aufmerksam und mischen sich teilweise ein. Kindern gegenüber werden abfällige Bemerkungen über Kolleginnen laut. Der Krankenstand ist enorm, die Nicht-Kranken arbeiten an den Grenzen ihrer Kräfte. Die KiTa-Leitung entscheidet sich, zu handeln und sucht nach MediatorInnen.
Erbschaft:
Der Firmeninhaber I. verstirbt überraschend und hinterlässt ein unklares Testament. Die Hinterbliebenen sind verunsichert und verstricken sich bald in Konflikte. Einige stecken in einer schwierigen finanziellen Lage, so dass ihnen die Erbschaft sehr gelegen käme. Andere fühlen sich durch das Testament grundsätzlich benachteiligt und wünschen sich eine ihrer Meinung nach gerechte Verteilung. Wieder andere sehen die Priorität im Erhalt des Betriebs und möchten dem alle anderen Ansprüche unterordnen. Fast allen würde ein Gerichtsverfahren zu lange dauern. Zudem wünschen sie sich, den Familienzusammenhalt nicht weiter zu gefährden. Sie entscheiden sich für eine Mediation.
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